Jugend, Devianz und Exklusion? Ein Projekt zur politischen Bildung junger AußenseiterInnen.

Im Zuge der durch die Bundesregierung beschlossenen Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre wurden seitens der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur auch Maßnahmen zu einer Ausweitung der „Politischen Bildung“ an den Schulen, verstanden auch im Sinne einer gelebten und demokratischen Schulorganisation, angekündigt.

Dies konfrontiert die Institution Schule mit ihrem Grundwiderspruch: Neben den inkludierenden Funktionen von Bildung, Qualifizierung und Ermächtigung aller zukünftigen erwachsenen StaatsbürgerInnen entfaltet die Schule durch Selektion ja zugleich exkludierende Wirkungen: Ihr obliegt qua Institution die Entscheidung über die Verteilung ungleicher Lebenschancen, über  „gesellschaftlicher Teilhabe“. Die vom Selektionsprozess negativ betroffenen SchülerInnen erleben Schule und die in ihr vermittelte „Bildung“ dementsprechend eher  als Disziplinierungs- denn als Unterstützungsinstrument. Neben  Rückzug („innere Emigration“) lässt sich auch aktiver Widerstand als eine durchaus gängige und nachvollziehbare Reaktion auf wahrgenommenen sozialen Ausschluss im System Schule interpretieren.

Gerade jene SchülerInnen, die im Schulalltag eher als AußenseiterInnen und AbweichlerInnen bzw. Delinquente erscheinen, müssten für ein anspruchsvolles Projekt Politischer Bildung eigentlich eine wesentliche Zielgruppe darstellen. Gleichzeitig steht zu vermuten, dass konventionelle Formen der Vermittlung bei dieser Gruppe auf eher weniger Resonanz stoßen, ist doch der Außenseiter-Status mit der Vorstellung demokratischer Partizipation nur schwer zu vereinbaren.

Möchte sich Schule in Hinkunft auch und gerade diesen SchülerInnen als offenes Feld der Teilhabe präsentieren, so erscheint es sinnvoll, in einem ersten Schritt der Bestandsaufnahme zunächst zu untersuchen, welche Gruppen von SchülerInnen durch die derzeitige Organisationsform diese Teilhabe nicht wahrnehmen und subjektiv empfinden, dass ihnen diese Chance versagt bleibt.  Zu fragen wäre nach den je individuellen, aber auch strukturellen Gründen und subjektiven wie sozialen Verarbeitungsformen.

Diesen Fragen soll im Rahmen einer explorativen ethnographischen Feldstudie auf der Basis einer relativ geringen Zahl (etwa 15-20) schulpflichtiger Jugendlicher in Wien,  die sich gemeinschaftlich in  devianten/delinquenten Subkulturen organisieren (und sich auf diese Weise an der Schaffung und Weiterentwicklung ihrer Gesellschaften engagieren) nachgegangen werden. Deren Lebenswelten/Lebenswirklichkeiten sollen unter den oben genannten thematischen Aspekten im Rahmen von qualitativen Interviews, Gruppendiskussionen und teilnehmender Beobachtung in den entsprechenden sozialen Zusammenhängen rekonstruiert werden. Aus den Befunden lassen sich für ein Programm Politischer Bildung in der Schule wichtige Rückschlüsse im Hinblick auf die Partizipation bislang unterrepräsentierter Gruppen jener Jugendlicher ziehen, denen eine entsprechende Form eines anspruchsvollen und umfassenden Programms Politischer Bildung in der Schule möglicherweise den größten Gewinn brächte.


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