Die Wiener Drogenpolitik im Urteil ihrer Adressaten und Akteure
Projekt gefördert durch den Fonds Soziales Wien und die MA 7
ZwischenberichtProjektleitung: Irmgard Eisenbach-Stangl, Arno Pilgram
MitarbeiterInnen: Irene Berlach-Pobitzer, Christine Reidl, Veronika HofingerErgebnisse:
Als Ergebnis der Studie über die Wiener Drogenpolitik im Urteil ihrer Adressaten und Akteure zeichnen sich nach 1970 mehrere voneinander abgrenzbare Phasen ab, welche durch das Hinzutreten jeweils neuer innovativer und bestimmender Institutionen/Professionen/Techniken gekennzeichnet sind. Parallel zur Pluralisierung der Akteure und Methoden der Arbeit am Drogenproblem kommt es zu einer zunehmenden "Formierung" der Drogenpolitik, welche Konflikte über die Materie ebenso stilllegt wie sie ungelöste Widersprüche verdeckt.
An der zusammenfassenden Darstellung der Projektergebnisse wird derzeit gearbeitet.Quellen und Methoden:
Nachdem die erste Projektphase (2003) im wesentlichen der Dokumentenanalyse und der Rekonstruktion der Drogenpolitik in Wien seit 1970 anhand von Gesetzestexten, amtlichen Berichten, Berichten von Einrichtungen der Drogenarbeit, Statistiken und Studien gegolten hat, wurden im zweiten Projektabschnitt (2004) - darauf aufbauend - vor allem zwei Tranchen von Leitfaden-Interviews (je etwa 50) mit Akteuren und mit Adressaten der Drogenpolitik durchgeführt.
Auf der Seite der interviewten Akteure/Experten der Drogenpolitik sind sowohl Gesundheits-, Rechts- und Sicherheitspolitiker von staatlicher wie kommunaler Ebene, als auch "Drogenarbeiter" aus dem Präventions- und Behandlungssystem wie aus Polizei, Justiz und Strafvollzug vertreten. Auf der Seite der Politikadressaten wurde die Streuung der Interviewpartner erzielt durch Berücksichtigung von unauffällig gebliebenen und von auffällig gewordenen DrogennehmerInnen, die entweder Kontakt mit strafrechtlichen Kontrollinstanzen und/oder mit Behandlungseinrichtungen hatten, oder einen solchen vermeiden konnten. Daneben wurden einige VertreterInnen organisierter Elterngruppen interviewt. Es wurde Wert gelegt auf die Erfassung von Personen aus unterschiedlichen "Generationen" von Akteuren der Drogenpolitik wie von Drogengebrauchern, um so den Untersuchungszeitraum abzudecken.
Die verschrifteten Interviews wurden einer Textanalyse unterzogen, welche bei den Akteuren der Drogenpolitik auf die Definition der eigenen Rolle, den Blick auf Drogennehmer und ihre gesellschaftliche Umwelt sowie die Perzeption anderer handelnder Instanzen fokussierte. Bei den Adressaten der Drogenpolitik konzentrierte sich die Auswertung auf die Selbstwahrnehmung von Drogenkonsumenten in Abhängigkeit von Kontakten mit Kontrollinstanzen sowie auf die Wahrnehmung von drogenpolitischen Maßnahmen und Angeboten in Wien zu verschiedenen Zeiten und im Vergleich mit anderen Orten.
Herausarbeitung der Wien-Bezüge:
Der Wien-Bezug ergibt sich aus der Thematik des Projekts. Drogenpolitik ist zwar hochgradig durch internationale und nationale Vorgaben prohibitiver Ausrichtung geprägt. Wo diese internationalen und staatlichen Strategien jedoch versagen, bleibt die soziale Drogenproblematik lokal zu bewältigen. In die lokale Wiener Drogenpolitik gehen spezifische Traditionen des lokalen Wohlfahrtsstaats mit ein.
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