Öffentliche Sicherheit in Wien

Kriminalität, Sicherheitsrisiko und Sicherheitswahrnehmung


Das Projekt zielt darauf ab, durch Sonderauswertungen die vorhandenen polizeilichen und justiziellen Daten zu öffentlicher Sicherheit und Kriminalität für Wien differenzierter aufzubereiten als der jährliche Sicherheitsbericht der Bundesregierung bzw. als es die der Öffentlichkeit sonst zugänglichen Daten erlauben. Dabei sollen Daten über Anzeigen sowie über staatsanwaltliche und gerichtliche Verfahrenserledigungen miteinander verknüpft und kontrastiert werden.

Eine längerfristige Beobachtungsperspektive, die Differenzierung der Kriminalitätsdaten nach phänomenologischen Gesichtspunkten und eine Bezugnahme auf demographische Entwicklungen sowie auf Strukturmerkmale von Stadtteilen (Bezirken) sollen medial geprägte Stereotypen von Kriminalität zu korrigieren helfen und bessere Faktenchecks in Hinblick auf Kriminalitätsverhältnisse ermöglichen.

Insgesamt setzt das Projekt folgende Themen als Schwerpunkte fest:

- Die Entwicklung von Kriminalanzeigen vor dem Hintergrund von Urbanisierung und Stadtwachstum
- „Schadensfälle“, „Konfliktfälle“, „Unfälle“: Formen von Kriminalität und ihre Opfer
-  Die Täter-Opfer-Beziehung nach Alter, Geschlecht und Nationalität
- Städtische Anziehungspunkte und Anziehungspunkte für Kriminalität
- Die polizeilich ermittelten Tatverdächtigen vor dem Hintergrund demographischer Veränderungen, Alterung der Bevölkerung, Zuwanderung und wachsender Diversität
- Kriminalität als Indiz für prekäre Lebenslagen
- Die Verifikation der polizeilich registrierten Strafanzeigen durch die Justiz
- Selektive Strafenpolitik – zur kriminalpolitischen Agenda der Justiz
- Der Zusammenhang zwischen objektiver und subjektiver Un-/Sicherheit
- Der Einfluss gesetzlicher Ent-/Kriminalisierungsmaßnahmen und öffentlicher Sicherheitsdebatten auf die Kriminalitätsdaten – eine Reflexion der statistischen Befunde

Kriminalität soll grundsätzlich nicht nur als Indikator von negativen Entwicklungen gezeigt werden, sondern als Begleiterscheinung von Stadtwachstum und der Attraktivität von Städten und Stadtteilen sowie als Zeichen der Zugänglichkeit von Sicherheits- und Rechtsinstitutionen für die Bevölkerung. Letzterer Aspekt ist vor allem für eine sozialwissenschaftlich informierte Lesart der polizeilichen Kriminalstatistik wichtig, die – abgesehen von proaktiver Ermittlungstätigkeit wie etwa im Suchtmittelbereich – ganz überwiegend die Inanspruchnahme der Sicherheitsbehörden durch die BürgerInnen abbildet.

Das Projekt im Auftrag des Fonds Soziales Wien nutzt zwar Vorerfahrungen mit Berichten des IRKS für die MA17 (http://www.irks.at/forschung/sicherheitsforschung/delinquenz-ausländischer-staatsangehöriger-wien.html und http://www.irks.at/publikationen/studien/2011/kriminalstatistik-migranten.html) über Interaktionen zwischen AusländerInnen sowie Sicherheits- und Justizbehörden. Es geht aber deutlich darüber hinaus. Im Vordergrund stehen nicht ermittelte und verfolgte StraftäterInnen (und unter deren Merkmalen nicht allein das Merkmal Nationalität), sondern die Gesamtheit der angezeigten Tatbestände bzw. Viktimisierungen, unabhängig davon, ob Hinweise auf die Täterschaft existieren. 

Projekt Laufzeit

Februar bis August 2017

Projektleitung

Walter Fuchs

Wissenschaftlicher Mitarbeiter


ProjektmitarbeiterInnen

Christina Schwarzl

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Arno Pilgram

Wissenschaftlicher Mitarbeiter