Deradikalisierung im Gefängnis


Bereits mit den Terroranschlägen von Paris im Jänner 2015 ist die Gefahr der Radikalisierung in Haft ins öffentliche Bewusstsein gerückt: Die Attentäter hatten sich im Gefängnis kennengelernt und waren dort unter den Einfluss eines radikalen Islamisten geraten. Selbst wenn die österreichische Situation nicht mit der französischen vergleichbar ist – das Pariser Gefängnis Fleury-Mérogis gilt als extrem überbelegtes, baufälliges Riesen-Gefängnis mit einem sehr hohen Anteil an muslimischen Insassen – besteht auch hierzulande Bedarf, de-radikalisierende Maßnahmen im Strafvollzug zu setzen, insbesondere in Zusammenhang mit den aus den Kriegsgebieten in Syrien und im Irak heimgekehrten „Dschihadisten“. Neben De-Radikalisierungs­arbeit mit Dschihadisten muss auch Präventionsarbeit geleistet werden, um die Ausbreitung radikal-islamistischen Gedankenguts zu verhindern. Dabei können einzelne Maßnahmen zueinander durchaus in einem Spannungsverhältnis stehen, wenn etwa die Einbindung in Ausbildungsmaßnahmen als wichtiger Beitrag zu Normalisierung und Integration gefördert wird und zugleich verhindert werden muss, dass Schulungsmaßnahmen als Orte für Radikalisierung missbraucht werden. Es gilt außerdem, das Personal in Justizanstalten durch Schulungen auf diese neue Herausforderung vorzubereiten und Ansprechpersonen für konkrete Problemlagen zu schaffen. 

Ziel dieser Begleitforschung ist es, die Wirkung der im Strafvollzug gesetzten Interventionen auf radikalisierte Gefangene zu untersuchen und dem Strafvollzug aus der wissenschaftlichen Aufarbeitung konkreter Fälle Wissen zur Verfügung zu stellen, aus dem sich Standards im Umgang mit radikalisierten Insassen (Unterbringung, Behandlung, Entlassung) ableiten lassen. Anhand von Interviews mit Dschihadisten und ihrem Umfeld im Gefängnis und draußen sowie auf der Basis von Aktenanalysen werden folgende Fragen beantwortet:

* Welche (Typen von) islamistisch-radikalen Gefangenen gibt es im österreichischen Strafvollzug? Welche Muster lassen sich nach Grad der Radikalisierung und anderen Merkmalen (etwa: Alter, Ansprechbarkeit,...) erkennen? Diese, aufgrund der kleinen Fallzahl stets nur explorativen Typisierungen, werden mit internationalen Beispielen in Beziehung gesetzt.   

* Was macht man im Vollzug mit ihnen mit welchem Erfolg? Gelingt der Aufbau einer tragfähigen Betreuungsbeziehung? Wie wirken de-radikalisierende Interventionsgespräche, Anti-Gewalt-Trainings, die Einbeziehung in Ausbildungsmaßnahmen oder andere Maßnahmen auf radikalisierte Insassen? Dabei sind auch geschlechtsspezifische Aspekte zu beachten.

Projektmitarbeiter

Thomas Schmidinger

Projekt Laufzeit

Februar 2016 - November 2016

Projektleitung

Veronika Hofinger

Wissenschaftliche Geschäftsführung/ Leitungsteam


Projekt Berichte