Delinquenz ausländischer Staatsangehöriger in Wien

Vorarbeiten für eine fortlaufende Beobachtung


Diese Studie für die MA 17 der Stadt Wien ist einerseits die Replikation einer Untersuchung aus dem Jahr 2011 zur Frage „Welche Aussagen über die Migranten- und Ausländerpopulation in Wien erlaubt die Kriminalstatistik?“ (siehe: http://www.irks.at/publikationen/studien/2011/kriminalstatistik-migranten.html) , andererseits soll sie Grundlagen für eine migrations- und integrationspolitisch orientierte Kriminalberichterstattung für die Stadt Wien schaffen. Im Gegensatz zur sicherheitspolitischen Kurzzeitperspektive der polizeilichen Kriminalberichterstattung soll dabei eine langfristige, auch sämtliche rechtspflegestatistische und die Mehrdeutigkeit von statistischen Daten zu Strafanzeigen berücksichtigende Perspektive eingenommen werden.

Das Projekt stellt sich folgende Aufgaben:

  • die Formulierung von Grundsätzen für die sozialwissenschaftliche Beobachtung von Kriminalitätsentwicklungen aus integrations- und diversitätspolitischer Perspektive, d.h. eines theoretisch fundierten Arbeitsprogramms für die Beobachtung von Kriminalitätsentwicklungen;
  • die Erstellung eines Standardprogramms für die erweiterte und Sekundärauswertung der vorhandenen Daten und Statistiken aus dem Bereich der polizeilichen und justiziellen Strafverfolgung („Kriminalitätsbericht“/Polizeiliche Anzeige- und Opferstatistik, „Justizstatistik Strafsachen“/Statistik der Staatsanwaltschaft, „Gerichtliche Kriminalstatistik“/Verurteilungs- und Sanktionsstatistik, „Integrierte Vollzugsverwaltung“/Straf­vollzugsstatistik);
  • die rückblickende Erfassung der wichtigsten Entwicklungen seit dem Jahr 2000, um einen gegenüber der Kriminal- und Sicherheitsberichterstattung des Bundes erweiterten Beobachtungs- und Vergleichszeitraum zu haben.
  • Eine besondere Aufgabe besteht darin, die Reliabilität und Validität der polizeilichen Daten zum Aufenthaltsstatus von Tatverdächtigen zu überprüfen. Die Definition dieser Kategorien ist ungenau und lässt dem Anwender und Produzenten der Statistik Spielraum, über dessen Nutzung empirisches Wissen wichtig wäre. 

Für das Jahr 2015 erfolgt als Pilot:

  • eine mehrdimensionale Sonderauswertung von Polizeilicher und Gerichtlicher Krimi­nalstatistik für den Raum Wien; „mehrdimensional“ meint die Verknüpfung von Informationen zu Tätern und Opfern, ihrem jeweiligen Alter, Geschlecht, ihrer Nationalität, ihrem Aufenthaltsstatus und ihrer persönlichen Beziehung; 
  • die Herstellung einer Relation zu den aktuellen Bevölkerungsdaten der Stadt (zur „Belastungsberechnung“ für verschiedene Bevölkerungsgruppen);
  • die Herstellung von Relationen zwischen Polizei- und Justizdaten (zur Darstellung spezifischer Verurteilungs- und Sanktionierungswahrscheinlichkeiten in Bevölkerungsgruppen);
  • das Angebot verschiedener Varianten für die Interpretation und integrations/diver­sitäts­politische Bewertung der Daten; die integrations/diversitätspolitisch informierte Lesart sollte bewusst naiven, dramatisierenden oder sonst medial verbreiteten Inter­pretationen gegenüber gestellt werden, um abrufbare Argumentationsressourcen zu schaffen;
  • die Reflexion möglicher Zusammenhänge der Entwicklungen bei Anzeigen und der Strafverfolgung mit öffentlichen Problemdiskursen (indiziert durch Suchmaschinen/elektronische Archive zur Medienberichterstattung) und politisch-rechtlichen Maßnahmen
  • sowie die Identifikation offener (Untersuchungs-)Fragen. 

Projekt Laufzeit

Juli 2015 bis Juni 2016

Projektleitung

Arno Pilgram

Wissenschaftlicher Mitarbeiter


ProjektmitarbeiterInnen

Christina Schwarzl

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Walter Fuchs

Wissenschaftlicher Mitarbeiter



Projekt Berichte