Die strukturierte Deliktverarbeitung aus Sicht der Bewährungshilfe-Klienten


Die österreichische Bewährungshilfe (BWH) befindet sich derzeit in einem Veränderungsprozess. Geschäftsführung und Zentralbereichsleitung streben die weitere Professionalisierung der Straffälligenhilfe an und wollen v.a. in der BWH neue Akzente setzen. Dahinter steht ein gewandeltes Verständnis der eigenen Tätigkeit: Von einer eher reaktiven, an der Verbesserung der sozialen Lebenslage ansetzenden Sozialarbeit für hilfsbedürftige Klienten – im Sinne einer „BWH alt“ – will man hin zu einer aktiven, steuernden Sozialarbeit. Um die angestrebte weitere Professionalisierung zu erreichen, soll die Arbeit in der BWH stärker strukturiert werden und eine einheitliche Methode zur Deliktverarbeitung eingeführt werden. Diese Deliktverarbeitung kann als zentrales Element einer verstärkten Orientierung an der Rückfallprävention im Rahmen von RISK (Risikoorientiertes Interventionsprogramm für straffällige Klienten) ausgemacht werden (Mayer et al. 2007, Mayer 2014). 

Ziel der Studie ist es, die neu eingeführte Deliktverarbeitung anhand von ausgewählten abgeschlossenen Fällen aus Sicht der Klienten zu bewerten, wobei auch die Einschätzung der jeweiligen Bewährungshelfer in die Studie mit einfließt. Für die Interviews mit den Klienten wird ein qualitativer Zugang gewählt, der auf der Basis ausführlicher, persönlicher (sogenannter episodischer) Interviews rekonstruieren will, welche Bedeutung die Bewährungshilfe insgesamt und die strukturierte Deliktverarbeitung im Besonderen für sie und ihre Legalbewährung hat. Statt in verkürzter Weise zu fragen: „what works?“, will die Studie wissen: „how and why do people stop offending?“ (McNeill 2002) und welche Rolle dabei die strukturierte Deliktverarbeitung spielt.

In der Zusammenschau der Interviews soll die Frage beantwortet werden, ob ein Wandel von einer eher reaktiven hin zu einer aktiven, steuernden Sozialarbeit zu beobachten ist und wie die damit in Verbindung stehenden Veränderungen bei den Klienten ankommen. Die empirischen Befunde werden schließlich mit internationalen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen in Beziehung gesetzt.

Projekt Laufzeit

Februar 2015 bis Jänner 2016

Projektleitung

Veronika Hofinger

Wissenschaftliche Geschäftsführung/ Leitungsteam