KEYS

Integration of Learning and Working in Adult Prisons


Ein Großteil der Strafgefangenen kann als Gruppe beschrieben werden, die durch eine Vielzahl von Problemen belastet ist, die eine Reintegration erschweren. Abgesehen von Vorstrafen und Hafterfahrung haben sie Schulden, psychische Probleme, Suchtprobleme und insgesamt einen benachteiligten sozioökonomischen Hintergrund. Hinzu kommen ein schlechter Bildungsstand und mangelnde Schlüsselkompetenzen (Softskills). Mehr als die Hälfte der Strafgefangenen verfügt über keinen, über die Pflichtschule hinausgehenden Bildungsabschluss, viele haben Lernprobleme, Probleme bei Lesen, Schreiben, Rechnen und Verhaltensprobleme. Viele sind als „Bildungsverlierer“ zu betrachten, deren Erfahrungen mit dem Bildungswesen von Misserfolgen und Frustration geprägt sind. Die (Weiter-) Entwicklung von Basis- und Schlüsselkompetenzen ist jedoch ein wichtiger Faktor in Hinblick auf eine erfolgreiche Integration.

Die europäischen Strafvollzugssysteme bieten zwar Bildungsangebote für Strafgefangene an, aber diese erreichen in der Regel nur einen kleinen Teil der Gefangenenpopulation und sind meist auf fachliche Qualifikation beschränkt. Bildung ist im allgemeinen Strafvollzug großteils Arbeit nachgereiht und die Arbeitsangebote sind überwiegend auf einfache, manuelle Tätigkeiten beschränkt, die meist kaum zur Entwicklung der Klienten beitragen. Bisher existieren nur wenige Ansätze integraler Angebote zur Entwicklung von Schlüsselkompetenzen und allgemeinbildenden Qualifikationen für diese Zielgruppe, die den Prozess der Arbeit sinnvoll ergänzen bzw. ihn flankierend stützen. Damit sind arbeitende Gefangene, Männer wie Frauen, weitgehend von Angeboten der Erwachsenenbildung ausgeschlossen.

Im Rahmen des Projektes KEYS sollen exemplarisch Bildungskonzeptionen und Strukturansätze entwickelt werden, deren Ziel es ist, Kompetenzentwicklungsprozesse bei erwachsenen, im Vollzug arbeitenden Strafgefangenen zu unterstützen. In diesem Zusammenhang sollen zeitliche, räumliche und organisatorische Grenzen zwischen Gefangenenarbeit einerseits und der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen und allgemeinbildenden Qualifikationen aufgehoben werden. Im Zentrum des Projektes steht einerseits die Entwicklung von Bildungsangeboten die neben, parallel oder wechselnd zur Arbeit organisiert werden und andererseits die Entwicklung von Bildungsangeboten die mit der Arbeit unmittelbar verbunden werden können.

Der Arbeitsplan der Partnerschaft umfasst folgende, zentrale Module:

  • Sammlung, Austausch und Vergleich bestehender Konzepte und Modelle im Sinn des Projektes
  • Verbindung von Lernen und Arbeiten: Modularisierung der Bildungsarbeit für arbeitende Inhaftierte
  • Verknüpfung von Lernen und Arbeiten: Selbstorganisiertes Lernen im Arbeitsprozess
  • Modelle für individualisierte Bedarfsfeststellungs- und Zuweisungsverfahren
  • Einbindung von nicht-pädagogischem Personal und Entscheider/innen in Kompetenzbildungsprozesse und Organisationsentwicklung
  • Laufendes Review der Entwicklungen der Kerngruppe durch eine Review-Gruppe
  • Zusammenstellung der Entwicklungs- sowie Erprobungsergebnisse und Aufbereitung für den nachhaltigen Transfer innerhalb des Netzwerkes und darüber hinaus
  • Evaluation und Qualitätskontrolle

Unter der Leitung des Frauencomputerzentrums Berlin sind an KEYS acht Institutionen aus sechs Ländern – Dänemark, Deutschland, Lettland, Malta, Österreich, Spanien – beteiligt. Die österreichische Beteiligung an diesem Projekt erfolgt in einer engen Kooperation zwischen der Justizanstalt Stein und dem IRKS. In dieser Kooperation übernimmt das IRKS eine koordinierende, unterstützende und beratende Funktion.

Projekt Laufzeit

Dezember 2009 bis August 2012

Projektleitung

Walter Hammerschick

Kaufmännische Geschäftsführung/ Leitungsteam


Webseite

http://www.keys.fczb.de