• »
  • »
  • No. 17 Wie hoch ist der potenzielle Bedarf an Maßnahmen zur Unterstützung der rechtlichen Handlungsfähigkeit?

No. 17 Wie hoch ist der potenzielle Bedarf an Maßnahmen zur Unterstützung der rechtlichen Handlungsfähigkeit?

Die hier vorgelegte Arbeit verfolgt das Ziel, anhand epidemiologischer Erkenntnisse zur Verbreitung psychischer Krankheiten und kognitiver Behinderungen den potenziellen Bedarf an Maßnahmen zur Unterstützung der rechtlichen Handlungsfähigkeit zu schätzen. Nach einer Einleitung, in der die Frage nach dem Maßstab eines „Zuviel“ an Rechtsfürsorge gestellt wird, wird der Krankheits- und Behinderungsbegriff des gegenwärtigen Sachwalterrechts erörtert sowie eine soziologische Perspektive darauf skizziert. Anschließend wird versucht, mittels einer systematischen Zusammenschau aktueller epidemiologischer Studien die Größe der Population an Menschen zu schätzen, deren kognitive oder gesundheitliche Verfassung unter diesen Begriff subsumiert werden könnte und bei der daher das Vorliegen einer Beeinträchtigung vermutet werden kann, die unterstützende Maßnahmen zur selbstbestimmten Entscheidungsfindung erforderlich macht. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass 66.000 tatsächlich eingerichteten Sachwalterschaften (im Laufe des Jahres 2011) etwa 330.000 Personen gegenüberstehen, deren Beeinträchtigungen jedenfalls zum Kernbereich des sachwalterrechtlichen Krankheits- und Behinderungsbegriff gezählt werden können. Dies entspricht einem Anteil von 20 Prozent dieser Menschen, für die zum Besorgen ihrer Angelegenheiten eine Sachwalterin oder ein Sachwalter bestellt wurde. Diese Schätzung des potenziellen Bedarfs ist als konservativ und vorsichtig zu bezeichnen. Abschließend werden rechtssoziologische und -politische Implikationen der vorgestellten Befunde skizziert, indem der Unterschied zwischen hypothetischem „Bedarf“ und konkreter „Nachfrage“ diskutiert wird.


Autoren

Walter Fuchs

Wissenschaftlicher Mitarbeiter


Downloads