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Publikation

Evaluation der Haftentlassenenhilfe

Die Haftentlassenenhilfe (HEH) erfüllt die wichtige Aufgabe, Personen in der schwierigen Phase rund um die Entlassung aus dem Gefängnis und bei ihrer Wiedereingliederung zu unterstützen. Auch wenn die HEH in den vergangenen Jahren einen Rückgang bei den Klientenzahlen zu verzeichnen hat, ist sie eine unentbehrliche Einrichtung, die sich nach wie vor um viele kümmert, für die es sonst keine oder kaum Angebote gibt. Die (Erfolgs-)Geschichten von Klienten zeigen, wie eine solche Unterstützung aussehen kann. Um wieder für einen größeren Personenkreis attraktiv zu werden, braucht die HEH jedoch neue Impulse und mehr Ressourcen.

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Kommentar

Wenn sich eine private Firma um Schubhäftlinge kümmert

Walter Fuchs kritisiert im Kommentar der Anderen die Einbindung privater Sicherheitsfirmen in den Betrieb von Anhaltezentren für Schubhäftlinge. Die Auslagerung kernstaatlicher Aufgaben an Unternehmen gefährdet nicht nur die Menschenrechte der Angehaltenen und birgt Probleme der rechtlichen Kontrolle der Sicherheitsdienste; es hat der Staat prinzipiell nicht die Wahlfreiheit diese abzugeben. Er analysiert die Probleme, welche aus einer marktwirtschaftliche Logik für staatliche Kontrollaufgaben, in der Vergabe von Ressourcen oder der Ausbildung des Personals, erwachsen. Schließlich finden sich diese Unternehmen international immer wieder in Kritik aufgrund massiver Menschenrechtsverletzungen.

Artikel zum Nachlesen auf derStandard.at >



Interview

Forschungsobjekt Opfer

Haben die Opfer eines Verbrechens ein Recht auf Rache und Vergeltung? Oder sind vielmehr die Straftäter/innen Opfer einer ausgrenzenden Gesellschaft, in der soziale Aufstiegschancen immer seltener werden? Ö1 Dimensionen gehen der Frage nach, welche Rolle der Aufschwung der Viktimologie für den Umgang mit Opfern und Täter/innen spielt, und welche Chancen und Risiken für die Verbrechensprävention damit verbunden sind. Reinhard Kreissl und Veronika Hofinger im Interview.

Beitrag zum Nachhören auf oe1.orf.at (bis 16.10.2013) >



Kommentar

Die Grundlagen der Forschung

Die Exzellenz blüht anderswo: Eine Replik auf den offenen Brief des FWF*

von Reinhard Kreissl

In einem offenen Brief übermittelt das Kuratorium des FWF den politisch Verantwortlichen seine Einschätzung des Status quo im Bereich der Grundlagenforschung. Das Wort taucht im Text fünfmal auf. Was darunter zu verstehen ist, bleibt unklar. Vermutlich hält man diejenigen Projekte, die man fördert dafür und das genügt als Abgrenzungskriterium. Auch gehe es mit der Wissenschaft hierzulande bergauf – mehr eingereichte Anträge beim FWF, Stipendien beim European Research Council (ERC) und schon wird Österreich „zunehmend wieder als Land exzellenter Wissenschaft wahrgenommen“. Das stärkt dann wiederum den „Standort“.

Die Rhetorik von „Exzellenz und Standort“ in der Diskussion über  Wissenschaft, Forschung und ihre Förderung ist derzeit in Mode. Was verbirgt sich dahinter, was ist von der Diagnose des FWF-Kuratoriums zu halten? Zunächst ist die Steigerung bei den eingereichten Anträgen nichts anderes als die Folge der Tatsache, dass nun auch Universitäten zusehends auf den Drittmittelmarkt angewiesen sind. Bei Berufungsverhandlungen ist die Summe der eingeworbenen Drittmittel heutzutage eines der zentralen Qualitätskriterien zur Bewertung der Kandidaten. Da mag einer langweiligste Forschung gemacht haben, was zählt ist, dass sie richtig Geld gekostet hat. Und die Chancen für berechenbare am Mainstream orientierte Projekte Mittel zu bekommen ist relativ groß.

Man muss nicht die bekannte Trias Darwin, Marx und Freud bemühen, um daran zu erinnern, dass Neues eher außerhalb als innerhalb der Akademie entsteht. Was die Anzahl der ERC Stipendien anbelangt, da kann man sich wie etwa bei Erwin Prölls Prestigeobjekt ISTA einfach ein paar kluge Köpfe aus dem Ausland einkaufen, und die heimsen dann hierzulande europäische Stipendien ein. Was man sich alles als österreichische Errungenschaft in der Spitzenforschung zurechnen kann, zeigen die freudigen Schlagzeilen anlässlich der Nobelpreisverleihung an den in Österreich geborenen Amerikaner Karplus. Zweifelsohne war Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der lebendigsten und prägendsten („exzellenten“) intellektuellen Metropolen Europas. Aber Wittgensteins Wien, das Schönberg, Freud, Mach und eine Reihe Anderer hervorgebracht hat, wurde durch den Nationalsozialismus zerstört. Von diesem Brain Drain hat sich das Land nicht erholt und andere haben davon nachhaltig profitiert.  Noch heute kommen oder kamen Figuren wie Eric Kandel, ebenfalls Nobelpreisträger oder Eric Hobsbawm, inzwischen verstorbener Historiker von Weltruhm nach Wien und werden hier als Söhne der Stadt gefeiert. Aber das ist, wie so vieles in dieser Stadt, der Glanz der Vergangenheit, den man für die Morgenröte einer strahlenden Zukunft hält.

Aber was hat es nun mit der vom FWF Kuratorium so gelobten Grundlagenforschung auf sich, welche Grundlagen werden da erforscht? Zunächst ist festzuhalten, dass man besser von noch nicht marktreifer Forschung sprechen sollte. Disziplinen wie Materialforschung, Computerwissenschaft aber auch die sogenannten Life Sciences sind nichts anderes als Vorstufen kommerziell verwertbarer Technologien und Produkte – neue Materialien, Rechenverfahren und Medikamente, die dann vielleicht den Wirtschaftsstandort stärken. Übrigens ging eine Reihe von Nobelpreisen in Physik an Wissenschaftler der Bell Laboratories (1937, 1956, 1978, 2009), eine Forschungseinrichtung der amerikanischen Telefonindustrie. Solche Forschungen kosten viel Geld. Ein Arbeitsplatz in einem Labor, das in einer der derzeit hoch angesehenen Technik- und Naturwissenschaften in der ersten Reihe weltweit mitspielen will, kostet schnell ein paar hunderttausend Euro – und da will man gerne wissen, wie sich das amortisiert.

Sodann fällt auf, dass hier alle anderen Disziplinen kaum eine Rolle spielen. Philosophie, Ethnologie, Geschichte, Soziologie, Literaturwissenschaft – wird hier eigentlich auch Grundlagenforschung betrieben? Wohl eher nicht. Die vorschnelle Verabschiedung von sogenannten Orchideenfächern im Namen von Exzellenz und Standort aber kann sich unversehens rächen. Man denke nur an den rapide gestiegenen Bedarf an Islamwissenschaftlern, Iranisten oder Ethnologen mit Afghanistanexpertise, die auf einmal von Militär und Sicherheitskräften nachgefragt wurden, weil man keinen blassen Schimmer hatte, wie der neue Feind tickte.

Und schließlich ist daran zu erinnern, dass „Wissen“ ein öffentliches Gut ist und dass man es nicht auf Technologie reduzieren sollte. Der von Immanuel Kant angezeigte Weg aus selbstverschuldeter Unmündigkeit (auch er übrigens nach den Kriterien des FWF eher ein akademischer Versager) führt nicht über Teilchenbeschleuniger oder Nanotechnologie. Er führt auch nicht über eine Forschungsförderung nach dem Matthäusprinzip („Wer hat, dem wird gegeben...“). Die Investition in Großforschungseinrichtungen oder von einer Bürokratie erdrosselte Universitätsinstitute mag als Königsweg der apparate- und techniklastigen Naturwissenschaften erscheinen. Auch mag man hier Mittel aus der Industrie lukrieren und dies für einen Fortschritt halten.

Aber es sind – und hier könnte man von dem sonst immer als Vorbild herangezogenen USA lernen – oft die kleinen, außeruniversitären, auf eigenes Risiko und ohne große staatliche Gängelei agierenden Forschungsunternehmen, die den Variety Pool der Innovation erhöhen und den Stachel der kritischen Aufklärung kultivieren. Aber dieses Unterholz der Wissenschaft hat man hierzulande kräftig zurecht gestutzt. Oder um es in der derzeit beliebten Sprache der Ökonomie zu formulieren: man sollte die Klein- und Mittelunternehmen des Geistes fördern, denn dort ist der Return on Investment in aller Regel größer. Das ließe sich auf Heller und Pfennig belegen. Aber das ist eine andere Geschichte, und keine, die den FWF oder die von ihm adressierten Politiker interessiert.

*Dieser Text erschien - redaktionell gekürzt - als Kommentar der Anderen im Standard, vom 11. Oktober 2013.

derStandard.at: "Klein- und Mittelunternehmen des Geistes" >



Interview

Waffenbesitz und Sicherheit

Dramatisierte Einzelfälle, wie zuletzt in Melk, beeinflussen das Sicherheitsgefühl, repräsentieren aber kaum das reale Bedrohungspotential. Während die Waffenlobby für eine Liberalisierung des Rechts eintritt, erwägen gewisse Berufsgruppen Maßnahmen zum Selbstschutz zu ergreifen. Reinhard Kreissl analyisert dieses Missverhältnis und warnt vor der Fiktion "Sicherheit durch Waffe" und den resultierenden Problemen einer "bewaffneten Bevölkerung". Eine Reportage des ZDF auslandjournals.

Beitrag zum Nachsehen auf ZDF.de >