Termine

Vortrag

Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung: Modelle unterstützter Entscheidungsfindung

auf der ÖKSA-Jahrestagung 2013 zum Thema

Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung. Sachwalterschaft und Alternativen im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention

Hemma Mayrhofer stellt in ihrem Beitrag auf der ÖKSA-Jahrestagung 2013 unter Rückgriff auf internationale Erfahrungen unterschiedliche Möglichkeiten vor, wie unterstützte Entscheidungsfindung ("supported decision making") in die Praxis umgesetzt werden kann bzw. aktuell bereits umgesetzt wird. Dabei wird nach der rechtlichen Verankerung von unterstützter Entscheidungsfindung, dem Verhältnis zu Systemen stellvertretender Entscheidung ("substituted decision making"), den konkreten Ausformungen der Unterstützungsmodelle und den Zugangsmöglichkeiten zu unterstützter Entscheidungsfindung gefragt. Abschließend sollen auf Basis der bereits vorliegenden Umsetzungserfahrungen und der wissenschaftlichen Fachdiskussion zum Thema einige neuralgische Punkte einer guten Praxis der unterstützten Entscheidungsfindung benannt werden.

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Date: 21. November 2013 09:45
Location: Landhaus Bregenz



Kolloquium

Justizielle Reaktionen und Sanktionen: Österreich 1990-2011

Eine einschneidende und politisch kontroverse Sanktionsreform 2007 in der Schweiz gab den Anlass, bei der jüngsten Tagung der Kriminologischen Gesellschaft in Fribourg einen Dreiländervergleich D-A-CH in Bezug auf die bemerkenswert unterschiedlichen Reaktionen der Justiz auf Straftaten und auf Wiederverurteilungsraten zu versuchen. Die Arbeit am Vergleich wurde mit dieser Tagung initiiert, ist aber noch nicht abgeschlossen.  Doch auch die Beschäftigung allein mit der Entwicklung in Österreich ist in vielfacher Hinsicht aufschlussreich. Sie zeigt die Strafprozessnovelle 1999 als faktisch einschneidendste Sanktionsreform seit dem StGB 1975, durch die sich die Gewichte von bedingten und unbedingten, von Geld- und Freiheitsstrafen, von informellen Reaktionen (Diversion) und formellen Sanktionen (Verurteilungen) massiv verschoben haben. Die veränderten Reaktions- und Sanktionsmuster lassen sich unter dem Gesichtspunkt der „Punitivität“ des gesellschaftlichen Umgangs mit Kriminalität diskutieren. Zum anderen lässt sich die Frage stellen, wie weit seit langem regelmäßig erhobene Wiederverurteilungsraten es erlauben, Aussagen über die Wirkung sich verändernder Reaktions- und Sanktionspraktiken zu treffen. Die kleine Studie bietet auch Gelegenheit, über Stärken und Schwächen vorhandener Daten zu reden.

Zum Referenten: Arno Pilgram ist Dozent für Rechts- und Kriminalsoziologie an den Universitäten Frankfurt/Main und Wien; von 1973 bis 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter, mehrere Jahre auch Leiter des IRKS; interessiert an der sozialwissenschaftlichen Weiterentwicklung der Sicherheits- und Justizberichterstattung.

Date: 12. Dezember 2013 10:00
Location: Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Museumstraße 5/12, 1070 Wien



Kolloquium

Schwerwiegende Umweltzerstörungen als Völkerrechtsverbrechen?

Die Verursachung "weit reichender, langfristiger und schwerer Schäden an der natürlichen Umwelt" in bewaffneten Konflikten ist bereits ein anerkanntes Völkerrechtsverbrechen und fällt damit in die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Die 2010 ins Leben gerufene "Eradicating Ecocide Global Initiative" fordert, auch für schwerwiegende Umweltzerstörungen zu Friedenszeiten dem Internationalen Strafgerichtshof die Zuständigkeit zu übertragen.

Damit gäbe es erstmals die Möglichkeit, unabhängig von nationalen Interessen und nach weltweit einheitlichen Standards Einzelpersonen für die von ihnen zu Friedenszeiten verschuldeten Schäden an der Umwelt zur Verantwortung zu ziehen. Die Haftung von Einzelpersonen für schwerwiegende Umweltschäden lässt eine weit abschreckendere Wirkung erwarten als die derzeit meist üblichen Verfahren, die häufig mit Geldbußen oder Schadensersatzzahlungen für Unternehmen enden.

Zur Referentin: Julika Dittrich ist deutsche Juristin und lebt in Wien. Seit Ende 2010 ist sie tätig für die von der Britin Polly Higgins gegründete Initiative "Eradicating Ecocide Global Initiative".

Date: 21. November 2013 14:00
Location: Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Museumstraße 5/12, 1070 Wien



Vortrag

Jugendfürsorge und Gewalt

In den Heimen, in die von der Wiener Jugendfürsorge »Zöglinge« eingewiesen wurden, gab es Gewalt, und zwar sowohl Gewaltexzesse als auch andauernde psychische und physische Gewalt. Erst spät ist es zu einer Abgrenzung von jenen Traditionen des Umgangs mit »Asozialen« gekommen, die sich – über das Jahr 1945 hinaus – jahrzehntelang und bis in die Gegenwart fortsetzen konnten.

Bei der Tagung soll der Frage nachgegangen werden, welche Techniken der Stigmatisierung, Verfolgung, Bestrafung, Absonderung und Internierung angewendet wurden und mit welchen gesellschaftlichen Diskursen diese Praktiken verknüpft sind.

Hemma Mayrhofer vom IRKS referiert ab 18:00 h zum Thema "Kontrollversagen hinter Normalitätsfassaden: Zur Beschaffenheit institutioneller Gelegenheitsstrukturen für Missstände in Heimen am Beispiel der Wiener Jugendwohlfahrt in den 1970er-Jahren".

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Date: 06. Dezember 2013 09:45
Location: Österreichisches Museum für Volkskunde, Laudongasse 15-19, 1080 Wien



Institutskolloquium

Rechtliche Herausforderungen des Technikeinsatzes in der Altenpflege

Eine rechtssoziologische Perspektive auf Ambient Assisted Living

Walter Fuchs & Leo Bachinger

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels in westlichen Gesellschaften werden große Hoffnungen in assistive Technologien im Bereich der Altenpflege gesetzt: „Ambient Assisted Living“ (AAL)-Systeme sollen die Kosten von Pflegedienstleistungen dämpfen und die Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben im Alter verbessern. Bislang wenig erörtert werden rechtliche Herausforderungen solcher unterstützenden Anwendungen. Ausgehend von theoretischen Überlegungen zur normativen Wirkung „intelligenter“ Algorithmen stellen wir rechtliche Problemwahrnehmungen relevanter Akteure im AAL-Feld in Österreich vor. Insbesondere in Bezug auf Haftungs- und Datenschutzfragen zeigen sich beträchtliche Unsicherheiten. Diese Ergebnisse diskutieren wir unter Gesichtspunkten der Actor-Network-Theory und des Rechtspluralismus. Eine angemessene rechtliche Regulierung sollte, so unser Argument, nicht nur die Perspektive Betroffener miteinbeziehen, sondern auch in der Lage sein, die Inhalte technischer Programmierungen zu beeinflussen.

Date: 10. Oktober 2013 10:00
Location: Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie, Museumstraße 5/12, 1070 Wien