Zur Verbreitung von Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch und die Inanspruchnahme der Justiz

Aus der Perspektive von Sicherheitsexekutive und Justiz stellen Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch keine Massendelikte dar. Diese Delikte werden strafrechtlich ganz überwiegend reaktiv bearbeitet, sieht man von einigen spezifischen neueren Bemühungen ab, etwa um Kinderpornographie im Internet zu verfolgen. Es hängt im Prinzip von der Initiative von Zeugen im sozialen Milieu der Betroffenen oder in schulischen, in Gesundheits- und Fürsorgeinstitutionen ab, wie sehr Polizei und Justiz in Sachen Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch mobilisiert werden.

Polizei und Justiz befassen sich in Österreich mit Kindern und Jugendlichen etwa dreimal sooft als mutmaßlichen „Tätern“ wie mit Kindern und Jugendlichen als mutmaßlichen „Opfern“. 

Dieser Umstand, die „Unterbelichtung“ des Problems im Wirkungsbereich öffentlicher, insbesondere auch strafrechtlicher Institutionen, wird inzwischen als ein Teil des (zu sehr ins Private verdrängten) Problems angesehen. Der relativ geringen Aufmerksamkeit der institutionellen Öffentlichkeit wird die These von der unterschätzten Verbreitung, ja Alltäglichkeit von Gewalterfahrungen Minderjähriger entgegengehalten.


Autoren

Christa Pelikan

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Arno Pilgram

Wissenschaftlicher Mitarbeiter



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