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  • No. 5 Zwischen Deskription und Dekonstruktion: Empirische Forschung zur Jugendkriminalität in Österreich 1968 bis 2005

No. 5 Zwischen Deskription und Dekonstruktion: Empirische Forschung zur Jugendkriminalität in Österreich 1968 bis 2005

Abhandlungen über Jugendkriminalität beginnen oft mit dem Hinweis oder der Behauptung, dass diese ein besonders akutes und problematisches Phänomen sei oder zumindest von anderen – ob zu Recht oder zu Unrecht – als solches empfunden werde. In der einschlägigen Literatur lassen sich dabei, auch in Österreich,
zwei Topoi ausmachen: Einerseits gibt es einen »Verfallsmythos«, demzufolge eine halt- und zügellose »Jugend ohne Gott« (Ödön von Horvath) heranwachse, der die Abweichung von jeweils geltenden gesellschaftlichen Wertvorstellungen unterstellt wird und um die man sich besorgt zeigt. Aus einem Anstieg amtlich registrierter Delikte wird dann beispielsweise gefolgert, dass die »von Jahr zu Jahr steigende Jugendkriminalität das Heranwachsen einer Generation anzeigt, die sich zunehmend unfähig erweist, den Notwendigkeiten Rechnung zu tragen, die sich aus dem Zusammenleben in der sozialen Gemeinschaft ergeben« (Graßberger 1972, S. 233). Andererseits wird die Rede über die besonders schlimme (oder hilfsbedürftige) »Jugend von heute« immer wieder auch relativiert und als eine Art anthropologische Konstante dargestellt.


Autoren

Walter Fuchs

Wissenschaftlicher Mitarbeiter


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